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60 auf einen Streich – Sightseeing in Thüringen mal anders

Freitag, 18. März 2011

Wer Thüringen kennt, der weiß, dass es dort nicht nur wunderschön ist, sondern dass die Gegend sich auch durch eine enorme Dichte an Sehenswertem auszeichnet. Kulturelle Angebote, historische Stätten, spektakuläre Naturschauspiele – ein Thüringen-Urlaub deckt so ziemlich das ganze Spektrum dessen ab, was Urlauber glücklich macht.
Allerdings haben die wenigsten das Glück, so viel Zeit zu haben, wie sie brauchen und so muss man sich oft ganz genau überlegen, welcher Sehenswürdigkeit man seine kostbare Zeit schenkt und welche leider ungesehen bleiben muss. Vielleicht aus Mitleid mit all jenen, die gern so viel sehen würden, aber einfach nicht die Zeit dazu finden, hat man in Thüringen den Miniaturenpark „mini-a-thür“ eingerichtet. Wie der Name es schon leise erahnen lässt, handelt es sich dabei um einen Park voller Miniaturen. Allerdings sind es nicht einfach irgendwelche Miniaturen, sondern die ausgestellten kleinen Kunstwerke haben es in sich. Denn ausschließlich die berühmtesten und schönsten Sehenswürdigkeiten Thüringens finden im Miniaturenpark einen passenden Platz.
Im Maßstab 1:25 finden sich dort Nachahmungen bedeutender Bauten von Goethes Gartenhaus bis zur Wartburg. In einem solchen Tempo kann man sonst nirgends gleich duzende von begehrten Sehenswürdigkeiten von oben bis unten erkunden. Insgesamt befinden sich bereits über 60 große Sehenswürdigkeiten Thüringens im Park und es kommen Jahr für Jahr neue hinzu. Die Genauigkeit, mit denen die Miniaturen angefertigt wurden, ist einzigartig, jedes kleineste Detail wurde penibel bedacht. Nicht, dass die Miniatur am Ende mehr Dachziegel hat als das Original! In wunderschöner Umgebung kann man also die bedeutenden Bauten ganz genau unter die Lupe nehmen und sicher so mancher Detail entdecken, dass bei der ‚echten‘ Version untergegangen wäre.
Nahe des Rennsteigs wurde der Park in den 90er Jahren in einem schönen Tal eröffnet und verteilt sich inzwischen auf eine beachtliche Fläche von 18000 Quadratmetern, denn auch kleine Versionen von großen Sehenswürdigkeiten brauchen Platz, wenn man nur genug von ihnen versammelt.
Wer also zwischen April und Oktober eine Reise nach Thüringen plant und sich einfach nicht entscheiden kann, welche bedeutenden Bauten er sich ansehen will, der sollte einfach zur „mini-a-thür“ fahren und sie alle bewundern.

Der Rennsteig

Samstag, 04. Dezember 2010

„Ich wandre ja so gerne am Rennsteig durch das Land …“ , so beginnt das Rennsteiglied von Herbert Roth und Waltraut Schulz, das in den 50 er Jahren in Thüringen und der gesamten DDR der absolute Gassenhauer war. Das Lied beschreibt die Schönheiten des Thüringer Waldes, bringt die Verbundenheit seiner Interpreten mit ihrer Heimat zum Ausdruck und ist noch in der heutigen Zeit jedem Thüringer bekannt. Es ist die „heimliche Nationalhymne Thüringens“.

In der Tat führt der Rennsteig über den Kamm des Thüringer Waldes durch eine landschaftlich überaus reizvolle Gegend. Er führt über 170 km vom Thüringer Wald bis in den Frankenwald. Sogar Thomas Mann lässt seinen Doktor Faustus (nicht zu verwechseln mit Goethes Faust) von der Romantik dieses Wanderweges schwärmen. Während der Zweistaatlichkeit Deutschlands war der Rennsteig nicht durchgehend passierbar, da er von der innerdeutschen Grenze zerstückelt wurde.

Schon Ende des neunzehnten Jahrhunderts wurde der Rennsteig für Wanderungen entdeckt und ist heute ein ausgezeichneter Qualitätswanderweg des Deutschen Wanderverbands. Der Rennsteig erfüllt noch zwei weitere, weithin unbekannte, Funktionen. Er ist sowohl Wasserscheide wie auch Sprachgrenze. Er trennt die drei Flusssysteme Saale/Elbe,Werra/Weser und Rhein/Main. Sprachlich trennt er die thüringischen Dialekte von den ostfränkischen Dialekten.

Traditionell wird der Rennsteig in sechs Etappen erwandert. Die einzelnen Teilstücke führen von Hörschel über den Großen Inselsberg, Oberhof, Kahlert, Limbach und Steinbach bis der Wanderer in Blankenstein sein Ziel erreicht. Das sind pro Etappe etwa 30 km und man muss schon gut zu Fuß sein, um diese Herausforderung in einer knappen Woche zu meistern. Täglich muss man also mit 6 Wanderstunden plus Pausen rechnen. Gutes Schuhwerk und leichte Bekleidung sind von Nöten, einen Regenumhang sollte man immer mit sich führen. Schon das Rennsteiglied empfiehlt die Mitnahme eines Rucksackes und einer Klampfe, denn während der Pausen muss man etwas essen und ein zünftiger Wanderer kehrt selten in ein Gasthaus ein, sondern ernährt sich von seinem Proviant. Mit dem GutsMuths- Rennsteiglauf wird seit dem Jahre 1973 ein Volkslauf veranstaltet. Er gilt als Europas größter Landschaftslauf mit über 14 000 Teilnehmern.

„Gut Runst“ ist seit mehr als 100 Jahren der traditionelle Gruß aller Rennsteigwanderer. Und wie endet das Rennsteiglied so schön: „… Bin ich weit in der Welt, dann hab ich Verlangen,
Thüringer Wald nur nach Dir.“ 

Es gibt da noch eine Verballhornung des Liedes, meist in angeheiterter Laune gesungen:

Ich schlendre ja so gerne am Gartenzaun entlang,
begegnen mir drei Zwerge, die sind mir wohl bekannt.
Der erste war verwundet, der zweite war verletzt,
der dritte hing am Gartenzaun, die Hosen ganz zerfetzt.