Weimar

07. Februar 2011

Weimar liegt im Freistaat Thüringen und hat über 65 000 Einwohner: Die Stadt ist weltweit bekannt durch ihr kulturelles und gesellschaftliches Erbe. Zum kulturellen Erbe zählen viele Werke der Weimarer Klassik um die Dichter Goethe, Schiller, Wieland und Herder sowie auf dem Sektor der bildenden Kunst und der Architektur das Bauhaus. Der Fluss Ilm durchfließt die Stadt, die in eine sanfte Hügellandschaft eingebettet ist, in einem weiten Bogen.

Weimar erlebte sein „Goldenes Zeitalter“ Ausgang des 18. Jahrhunderts und zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Unter der Regentschaft von Anna Amalia als Herzogin und ihres Sohnes Carl August als Herzog zog es viele Literaten in die Stadt. Der Herzog war bereit, den an seinem Hof beschäftigten Künstlern viele Freiheiten einzuräumen und das umzusetzen, woran diese glaubten. Das zog die fähigsten Köpfe aus allen Gegenden Deutschlands nach Weimar. Neben den bereits erwähnten Dichtern Goethe, Schiller, Wieland und Herder waren das unter anderen die Komponisten Franz Liszt und Richard Wagner.

Politische Bedeutung erlangte die Stadt nach dem 1. Weltkrieg. Als nach der Novemberrevolution im Herbst des Jahres 1918 die Republik ausgerufen wurde, konstituierte sich wenig später die Nationalversammlung und verabschiedete im Sommer des Jahres 1919 die Weimarer Verfassung. In den ersten vier Jahren hatte die Weimarer Republik mit den Folgen des Krieges und einer grassierenden Inflation zu kämpfen. Umsturzversuche und politische Morde vergifteten das politische Klima. Mitte bis Ende der 20 er Jahre waren von einer relativen Stabilität gekennzeichnet. Die einsetzende wirtschaftliche Erholung und zunehmende außenpolitische Anerkennung ließen die Hoffnung aufkeimen, die junge Republik könne sich konsolidieren. Mit der Weltwirtschaftskrise, die Ende des Jahres 1929 auch Deutschland ergriff, begann allerdings der Aufstieg der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Dies gipfelte in der Machtergreifung von Adolf Hitler, der das Deutsche Reich in den Untergang führte. Die Epoche der Weimarer Republik war die erste wirklich demokratische Periode in der deutschen Geschichte. Das Staatswesen wies aber viele Schwächen auf, so dass die Republik den extremistischen Kräften letztlich nicht gewachsen war.

Der Rennsteig

04. Dezember 2010

„Ich wandre ja so gerne am Rennsteig durch das Land …“ , so beginnt das Rennsteiglied von Herbert Roth und Waltraut Schulz, das in den 50 er Jahren in Thüringen und der gesamten DDR der absolute Gassenhauer war. Das Lied beschreibt die Schönheiten des Thüringer Waldes, bringt die Verbundenheit seiner Interpreten mit ihrer Heimat zum Ausdruck und ist noch in der heutigen Zeit jedem Thüringer bekannt. Es ist die „heimliche Nationalhymne Thüringens“.

In der Tat führt der Rennsteig über den Kamm des Thüringer Waldes durch eine landschaftlich überaus reizvolle Gegend. Er führt über 170 km vom Thüringer Wald bis in den Frankenwald. Sogar Thomas Mann lässt seinen Doktor Faustus (nicht zu verwechseln mit Goethes Faust) von der Romantik dieses Wanderweges schwärmen. Während der Zweistaatlichkeit Deutschlands war der Rennsteig nicht durchgehend passierbar, da er von der innerdeutschen Grenze zerstückelt wurde.

Schon Ende des neunzehnten Jahrhunderts wurde der Rennsteig für Wanderungen entdeckt und ist heute ein ausgezeichneter Qualitätswanderweg des Deutschen Wanderverbands. Der Rennsteig erfüllt noch zwei weitere, weithin unbekannte, Funktionen. Er ist sowohl Wasserscheide wie auch Sprachgrenze. Er trennt die drei Flusssysteme Saale/Elbe,Werra/Weser und Rhein/Main. Sprachlich trennt er die thüringischen Dialekte von den ostfränkischen Dialekten.

Traditionell wird der Rennsteig in sechs Etappen erwandert. Die einzelnen Teilstücke führen von Hörschel über den Großen Inselsberg, Oberhof, Kahlert, Limbach und Steinbach bis der Wanderer in Blankenstein sein Ziel erreicht. Das sind pro Etappe etwa 30 km und man muss schon gut zu Fuß sein, um diese Herausforderung in einer knappen Woche zu meistern. Täglich muss man also mit 6 Wanderstunden plus Pausen rechnen. Gutes Schuhwerk und leichte Bekleidung sind von Nöten, einen Regenumhang sollte man immer mit sich führen. Schon das Rennsteiglied empfiehlt die Mitnahme eines Rucksackes und einer Klampfe, denn während der Pausen muss man etwas essen und ein zünftiger Wanderer kehrt selten in ein Gasthaus ein, sondern ernährt sich von seinem Proviant. Mit dem GutsMuths- Rennsteiglauf wird seit dem Jahre 1973 ein Volkslauf veranstaltet. Er gilt als Europas größter Landschaftslauf mit über 14 000 Teilnehmern.

„Gut Runst“ ist seit mehr als 100 Jahren der traditionelle Gruß aller Rennsteigwanderer. Und wie endet das Rennsteiglied so schön: „… Bin ich weit in der Welt, dann hab ich Verlangen,
Thüringer Wald nur nach Dir.“ 

Es gibt da noch eine Verballhornung des Liedes, meist in angeheiterter Laune gesungen:

Ich schlendre ja so gerne am Gartenzaun entlang,
begegnen mir drei Zwerge, die sind mir wohl bekannt.
Der erste war verwundet, der zweite war verletzt,
der dritte hing am Gartenzaun, die Hosen ganz zerfetzt.